Konzert am 31. März 2019

17.00 Uhr
Martinskirche Kassel

Lukaspassion (1744)

Ausführende:
Anna Nesyba, Sopran
Jonas Boy, Tenor (Evangelist)
Florian Brauer, Tenor (Arien)
Jochen Faulhammer, Bass
Kasseler Bachchor
Barockorchester La Visione
Leitung: Norbert Ternes

Vorverkauf:
Buchhandlung Brencher, Wilh.Allee 273
Bauer&Hieber, Ständeplatz 13

vorverkauf@kasselerbachchor.de

Eintritt: 25/20/15 EUR
Schüler/Studenten: 5 EUR

 

"Ein Lully wird gerühmt; Corelli lässt sich loben; nur Telemann allein ist übers Lob erhoben", so reimte der Komponist und Musikschriftsteller Johann Mattheson 1740 in seiner "Grundlage einer Ehrenpforte", einer Sammlung von Musikerbiographien. Und in der Tat war Georg Philipp Telemann zu seiner Zeit der bedeutendste und wohl auch berühmteste Komponist, seine Führungsrolle im nord- und mitteldeutschen Musikleben war unumstritten und längst war sein Ruhm über die Landesgrenzen hinausgedrungen.

Mit über 3.600 Werken war er äußerst produktiv. Ihn deswegen - auch aus der historischen Betrachtung heraus - als Vielschreiber zu diskreditieren, greift zu kurz. Seine Musik wird zu Recht in den vergangenen Jahrzehnten immer präsenter und so zeigt sich jetzt, dass er nicht nur zu den produktivsten, sondern vor allem auch zu den einfallsreichsten und originellsten Komponisten der Barockzeit zählt.

Telemanns Werk ist im Kommen!

Nach Stationen in Leipzig, Eisenach und Frankfurt begann seine Hauptschaffensphase in Hamburg im Jahr 1721, wo er 1767 auch starb. Zu seinen Aufgaben als Musikdirektor der Hansestadt und ihre fünf Hauptkirchen gehörte es, jedes Jahr für die Fastenzeit eine Passion zu komponieren. So entstanden unglaubliche 46 Passionen nach den vier Evangelisten, von denen etwa die Hälfte  erhalten sind: fünf davon nach dem Evangelisten Lukas. Telemanns Passionen sind dabei kürzer und prägnanter als die von J.S. Bach. Ähnlich wie bei anderen Zeitgenossen wie beispielsweise Scarlatti, Hasse, Pergolesi oder C.P.E. Bach lässt sich seit den 1740er Jahren ein musikalischer Wandel hin zum sogenannten empfindsamen Stil feststellen. Die Musik sollte emotional etwas bewirken. Telemann klingt dabei anders als Vivaldi, Bach oder Händel: sich darauf einzulassen, ist auch heute höchst spannend!

Die Lukas-Passion von 1744 verwendet für die Erzählung ausschließlich den biblischen Text. Hinzu kommen äußerst innige Arien, die „mutig“, „mitleidig“ oder „zärtlich“ vorgetragen werden sollen und drei Choräle, die an den zentralen Punkten der Passionsgeschichte eingefügt sind. Dramatische Volkschöre, die in ihrer Prägnanz und Ausdrucksstärke an die Passionen J.S. Bachs erinnern, verstärken das groß angelegte Werk. Die Lukas-Passion 1744 hat damit einige Stilmerkmale der Bach‘schen Passionen. Jedoch bleibt Telemann im Gegensatz zu Bachs komplexem Stil z.B. bei den Chorälen vergleichsweise einfach, geradezu „volkstümlich“. Der Grund ist wohl, dass die Choräle zur Aufführungszeit von der ganzen Gemeinde mitgesungen wurden. In den Arien und Volkschören hingegen überrascht Telemann mit großem Einfallsreichtum und außerordentlicher Vielfalt. Telemann ist im Kommen: auch in Kassel!

Clemens Exner