Mit einem besonderen Konzert widmet sich der Kasseler Bachchor am 15. November 2026 dem französischen Komponisten André Campra (1660–1744). Auf dem Programm stehen zwei geistliche Werke, die auf eindrucksvolle Weise von Tod, Trauer, Vergänglichkeit und Hoffnung erzählen: ein „Requiem“ und die Psalmvertonung „De profundis“.

André Campra, ein bedeutender französischer Barockkomponist, feierte seine größten Erfolge als Opernkomponist. Er schuf die Gattung „Opéra-ballet“, in der Musik, Tanz und beeindruckende Bühnenbilder miteinander verbunden wurden. Zu seinen bekanntesten Werken aber zählt die „Messe de Requiem“ für Solisten, fünfstimmigen Chor und Orchester. Im 18. Jahrhundert wurde sie bei Gedenkgottesdiensten und Beerdigungen bedeutender Persönlichkeiten regelmäßig aufgeführt. Heute ist seine Musik außerhalb Frankreichs vergleichsweise selten zu hören – umso spannender ist die Begegnung mit seiner außergewöhnlichen und ergreifenden Klanglandschaft.

Campras Requiem verbindet die Würde und Ernsthaftigkeit der liturgischen Totenmesse mit der für die französische Barockmusik typischen Eleganz und Farbigkeit. Dunkle, nachdenkliche Passagen stehen neben Momenten von großer Ruhe und innerer Helligkeit. Es ist Musik, die nicht allein von der Trauer über den Tod erzählt, sondern immer wieder auch von der Hoffnung auf Erlösung.

Die Ergänzung bildet die Psalmvertonung „De profundis“ („Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“). Auch hier begegnen sich menschliche Verzweiflung und die Hoffnung auf Trost. Campra gestaltet den biblischen Text mit großer emotionaler Ausdruckskraft und einer Klangsprache, die zwischen inniger Zurückhaltung und dramatischer Intensität wechselt.

Der Kasseler Bachchor lädt dazu ein, einen Komponisten wiederzuentdecken und ein Chorwerk zu hören, das in Deutschland bisher selten aufgeführt wurde. Campras Musik besitzt ihre ganz eigene Mischung aus französischer Eleganz, dramatischer Kraft und tiefer Spiritualität und kann auch nach fast 300 Jahren unmittelbar berühren.